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Warum können wir nicht nett? | Kirchenkreis Egeln

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Warum können wir nicht nett?

Durch die Statusmeldungen meiner Kontakte im Kurznachrichtendienst geistert seit Tagen ein Filmausschnitt, indem sich Heinz Rudolf Kunze über das Gendern auslässt.

Dieser Mann hat mich mit seinen Liedern berührt. Berührt hat er mich in diesem Filmausschnitt auch, aber negativ.

Vorab: Ich finde gendern wichtig, auch wenn es manchmal kompliziert ist und geübt werden muss, damit es nicht zu gestelzt und künstlich daherkommt. Ich weiß, dass viele andere das nicht mögen und meinen unsere deutsche Sprache wird verhunzt.

Aber was mich eigentlich entsetzt hat, ist die Art und Weise, wie er gesprochen hat. Und wie ehrlich gesagt, viele Menschen reden und nicht nur bei diesem Thema. Unsere Sprache ist für mich oft aggressiv, derb, verletztend, egoistisch.

Warum können wir nicht nett sein?

Meinen wir, wir werden nur gehört, wenn wir so böse sind? Ist das normal?

 

Ich persönlich möchte nicht, dass das normal ist. Ich fühle mich sehr verletzt, wenn Heinz Rudolf Kunze so redet.

Und ich fühle mich schlecht, wenn ich selbst so über Menschen wegbrettere und so ausfallend werde.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Eins der wichtigsten Gebote, die Jesus uns aufgibt. Und wenn solche Situationen sind, frag ich mich:

Mag ich mich, wenn ich so bin?

Will ich so sein?

Möchte ich, dass andere mir gegenüber so sind bei Themen/ Dingen, die mir wichtig sind?

 

Wenn die Sprache aggressiv, brutal, verletztend ist, ist das auch die Person, die spricht. Ich möchte das nicht. Möchten Sie das? Oder möchten Sie nicht Ihre Sorge formulieren, Ihre Meinung dazu, was schwer ist, was hindert oder fördert? Eigentlich geht es um Diskussion, aber der Ton macht die Musik – so sagte schon meine Oma.

Wieso kriegen wir Meinungsäußerungen, Diskussionen nicht in einem Ton und in einer Sprache hin, die respektiert?

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

In diesem Gebot werden wir immer zwischen der Person, der wir gegenübertreten und uns hin und hergeworfen. Es hängt zusammen. Mein Verhalten den anderen gegenüber, macht auch was mit mir. Und so wie ich auftrete und mich verhalte, macht das etwas mit allen anderen.

Was schadet es mir, wenn ich zu der Frau vor mir Lehrerin sage? Was schadet es mir, wenn ich als Frau in meiner Sprache deutlich mache, dass es immer Männer und Frauen gibt, die angesprochen werden? Mir passiert nichts. Aber das kleine Mädchen vor mir merkt vielleicht, dass es auch Ärztinnen gibt.

Doch, es passiert etwas mit mir. Ich bin nett. Ich kann mich leiden und mich ohne Gram im Spiegel angucken. Und mit dem anderen Menschen kann ich lachen und gut leben, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.

 

Ich bin für nett sein,

Ihre Anne Bremer

Pfarrerin in Aschersleben