Clicky

Und was ist mit dem Samstag? | Kirchenkreis Egeln

Wir aktualisieren momentan unser Webseiten Design um die Erfahrung auf unserer Website zu verbessern.

Und was ist mit dem Samstag?

Der Samstag zwischen Karfreitag und Ostern ist ein merkwürdiger Tag; ein
„Dazwischen-Tag“. Die Zeit scheint stillzustehen. Ein "stiller“ Samstag. Was soll man
auch sagen, wenn man die ganze Zeit auf Ostern wartet?
Das Dramatische ist mit der Kreuzigung am Vortag bereits geschehen.
Mehr gibt es nicht zu sagen: Es sei denn, man interessiert sich für das, was im
Verborgenen, im Untergrund passiert. Der Evangelist Johannes malt uns dafür ein
Bild, indem er schreibt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt,
bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh. 1,24)
Am Karsamstag also ist das Weizenkorn unter der Erde. Unsichtbar. Hacken, Graben
und Säen sind vorbei. Das Loch ist zu. Der Boden wieder eben. Die Arbeiter gehen
nach Haus. Und nun? Erstmal passiert nichts, zumindest nicht an der Oberfläche,
darunter aber umso mehr! Dann fällt fürs Erste die Spannung ab.
Es gibt eine alte Geschichte, die erzählt, was geschieht, nachdem das Grab Jesu
geschlossen wurde. Die Jünger gehen niedergeschlagen nach Haus und versperren
die Fenster und Türen. Nichts geht mehr. Zu dieser Zeit steigt Jesus hinab in das Reich
des Todes. Er bringt sein Licht dorthin, wo sonst Dunkelheit herrscht, was wir sonst
‚Hölle‘ oder ‚Totenwelt‘ nennen. Dorthin bringt er zu allen Verstorbenen die
Botschaft: Gott hat den Tod besiegt! Es wird der Tag kommen, an dem alles von
Neuem voll Licht und Leben sein wird. Es wird keine dunklen Orte mehr geben.
Das Bild von der sog. „Höllenfahrt“ am Karsamstag ist besonders. Es kommt häufig in
der Kunst vor, aber selten im Gottesdienst. Dabei spielt es auch in unserem
Glaubensbekenntnis eine Rolle. Dort sprechen wir: "…, gekreuzigt, gestorben und
begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes…" In der alten Kirche haben sich
Christen dieses Bild noch stärker ausgemalt. Sie stellten sich vor, wie Jesus dort all die
Personen des Alten Testaments wieder trifft: Adam, Eva, Moses, König David usw.
Wie er sie aus dem Totenreich herausführt und die ‚Tore zur Hölle‘ zerstört. Die
„Höllenfahrt“ ist kein realistisches Bild, aber dafür ein sehr starkes. Es zeigt, dass
Jesus den Tod vollständig durchdrungen hat. Er ist gestorben, um auch an den
dunkelsten Ort der Welt das Licht zu bringen. So kann es zu einer wirklichen
Erneuerung der ganzen Welt kommen.
Der Acker liegt ruhig am Morgen. Dunst liegt seicht über dem Boden und kündet noch
von der letzten Nacht. Dann bricht die Erde auf und ein kleiner grüner Halm sprießt
empor. Es ist das alte Weizenkorn, aber nun sieht es ganz anders aus. Was hat es die
ganze Zeit dort unten in der Erde gemacht? Es hat seine Wurzeln weit in die Tiefe
gestreckt. Es hat die dunkle Erde durchdrungen, ja manchmal sogar durchbrochen. Es
hat sich vorbereitet für einen neuen Morgen, einen neuen Anfang, und es wird
wachsen, größer werden und Frucht bringen: neues Leben!
Ich wünsche Ihnen einen stillen Karsamstag und ein frohes Osterfest.

Ihr Georg Werther, Pfarrer in Oschersleben