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mit-tragen | Kirchenkreis Egeln

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Von Zeit zu Zeit bin auch ich immer mal wieder auf den sogenannten Social-Media-Kanälen unterwegs. Und es ist noch gar nicht so lange her, da las ich dort folgenden Spruch: „Kein Mensch kann dem Anderen die ganze Last abnehmen. – Aber er kann tragen helfen.“ Wenn ich in die Nachrichten schaue oder ganz einfach mal auf die Straße gehe und andere Menschen live und in Farbe treffe, dann habe ich schon das Gefühl, dass jeder und jede von uns ein Päckchen, ja  manchmal sogar ein ganzes Paket zu tragen hat. Sei es die Angst und die Sorge vor den Folgen des aktuellsten Konflikts in der Ukraine oder die Erinnerung an Kriegszeiten, die schon so lange zurückliegen, die aber schon beim Aufschlagen der Zeitung wieder ganz frisch wirken.Sei es das Unverständnis über all die Maßnahmen zum Umgang mit Corona. Die Missverständnisse, die bei den verschiedenen Quarantäneregeln und dem Freitesten sogar bis in die Familien zu Unstimmigkeiten führen.

Oder sei es die Sorge um einen Freund – einen Verwandten – um einen Menschen, von dem ich weiß, dass er mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hat, die es schon vor mehr als drei Jahren gab. Oder sei es die ganz normale Erkältung die dich umhaut und deine Gedanken jetzt nur noch umherschwirren lässt, wer auf Arbeit deine Aufgaben übernehmen kann… vielleicht sogar übernehmen muss. Das sind manchmal Päckchen, Pakete, vielleicht auch Container, die da auf unseren Schultern lasten.

„Kein Mensch kann dem Anderen die ganze Last abnehmen. – Aber er kann tragen helfen.“ In zwei Wochen feiern wir Ostern – das Fest, das so gut in den Frühling passt. Da geht es um die Auferstehung Jesu; da geht es um neues Leben; ums Freisein; um Licht. Doch in den Tagen vor dem Osterfest denken wir an ganz Momente im Leben Jesu. Da ist der Gründonnerstag, an dem er mit seinen Freunden – den Jüngern – zusammensitzt und isst und an dem er nach diesem gemeinsamen Essen von eben einem dieser Freunde verraten und von einigen anderen allein gelassen wird. Da ist der Karfreitag, an dem er gefoltert, verurteilt und getötet wird – am Kreuz, welches er zuvor selbst zur Hinrichtung tragen musste. Dieses Kreuz ist im christlichen Glauben ein Zeichen für all die Sorgen, die Nöte, die Ängste, die Schuld… für alle Dunkelheiten im Leben der Menschen – auch in unserem Leben. Jesus, so glauben wir, hat sich dieses riesige Paket auf die Schultern laden lassen. Aber auch er konnte es nicht allein tragen. In der Bibel im Markusevangelium können wir von einem Simon aus Cyrene lesen, der am Kreuz Jesu mit anpackt.

„Kein Mensch kann dem Anderen die ganze Last abnehmen. – Aber er kann tragen helfen.“ Simon hat geholfen, weil er dazu gedrängt wurde. Jesus, hat diese Last auf seine Schultern genommen, um uns Menschen zu zeigen, wie groß Gottes Liebe zu uns ist. – Jetzt ist es an uns, anderen tragen zu helfen. Seien es Menschen, die kein zu Hause mehr haben – Menschen, die einfach nur Jemanden zum Zuhören brauchen – Menschen, die mit der ganzen Situation nicht mehr klarkommen und nicht verstehen, was in ihrer… in unserer Welt passiert. Jeder und Jede von uns braucht jemanden an der Seite, der gerade auch durch dunkle Zeiten mitgeht und die Sorgen und Befürchtungen mitträgt. Jede und Jeder von uns kann so ein Mittragender sein. Ich wünsche uns offene Herzen für unsere Mitmenschen, damit aus Dunkelheiten wieder Licht wird und ich wünsche uns, dass, wenn wir mit anpacken und einfach da sind, dass wir dann spüren können, wie sich die Welt um uns herum verändert und gar nicht mehr so düster aussieht, sondern erfüllt ist von neuem Leben, vom Freisein und vom Licht.

Ihr Martin Pickel, Gemeindereferent im Bistum Magdeburg in den katholischen Pfarreien in Aschersleben und Bernburg