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16. November 2019 | Kirchenkreis Egeln
© Joy Real

16. November 2019

In diesen Tagen - vor dem Ende des Kirchenjahres - gehen wir zu den Gräbern. Die verblühten Blumen des Sommers werden gerodet. Das Grab wird mit Tannenzweigen abgedeckt, ein Kranz oder ein Gesteck obenauf gelegt. Mancher zündet auch noch ein Grablicht an. Ein Zeichen des Gedenkens und ein Zeichen des Lichtes, daß in unsere Dunkelheit hineinscheint. Für die meisten ist all das eine traurige Pflicht, die wir alljährlich wiederholen. Und doch ist es auch etwas tröstliches. Wir spüren die Ruhe des Friedhofes um uns herum. Erinnerungen tauchen auf und gehen wieder. Vielleicht trifft man einen Bekannten. Wie geht es dir? Weißt du noch? Irgendwann werden die Füße kalt. Es ist Zeit nach Hause zu gehen, in die warme Stube. Eine Tasse Kaffee, ein Stück Kuchen, warme Socken und das gute Gefühl, es geschafft zu haben.
Wenn ich so über die Friedhöfe gehe auf denen ich öfter zu tun habe, mache ich aber auch noch eine andere Beobachtung. Da fehlen Gräber, da fehlen Grabsteine mit Namen und Zahlen. Da fallen mir Menschen ein, von denen ich weiß, dass sie gestorben sind – aber nichts erinnert an sie. Ja oft hat es nicht mal eine Trauerfeier gegeben. In der Stille „entsorgt“. Ein hartes Wort. Aber diese Praxis nimmt zu.
Woran liegt das? Ich kenne ältere Menschen, die sagen mir: „mit mir soll mal keiner Mühe haben. Ich habe mein Leben lang die Gräber der Eltern, Onkels und Tanten pflegen müssen. Das möchte ich meinen Kindern nicht zumuten.“ Kinder und Enkel leben heutzutage oft weit weg. Da ist es oft schwer die Grabpflege zu organisieren. Wofür ein Grab, wenn sowieso keiner kommt. Mancher sagt auch, dass ist alles viel zu teuer oder so wichtig bin ich doch nicht. Aber wissen wir eigentlich, was wir da tun?
Eine Beerdigung, ein Grab hat nicht nur mit uns zu tun. Die anderen, nicht mal nur die Angehörigen brauchen es. Ein Mensch der zur Familie, zum Freundes-, Bekannten- oder  Kollegenkreis gehörte oder einfach nur in unserem Ort lebte, ist gestorben. Da braucht es Erinnerung, eine Stunde des Abschieds und einen Ort des Gedenkens. Das muss nicht unbedingt das riesige Familiengrab vergangener Tage sein. Auf vielen Friedhöfen werden heute Begräbnisformen angeboten, die es möglich machen, einen Namen in eine Tafel eingravieren zu lassen oder ein Schild anzubringen. Auf anderen Friedhöfen sind Baumbestattungen möglich. Da erinnert dann eine kleine Tafel am Baumstamm daran, wer hier begraben liegt.
Es gibt inzwischen vielerlei Formen des Abschiednehmens, der Trauerfeier durch einen Redner oder Geistlichen und der  Gestaltung von Grabstellen. Wir sollten sie nutzen. Keiner von uns soll vergessen werden. Es ist gut und tröstlich über einen Friedhof zu gehen und all die Namen derer zu lesen, die zu mir und meinem Leben gehörten. Und schließlich – wenn das alles nicht zu machen ist, vergessen oder für nicht so wichtig angesehen wurde – mag uns ein Bibelwort aus dem Buch des Propheten Jesaja trösten. Im 43. Kapitel finden wir dort ein Gotteswort: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Verfasser: Peter Mücksch