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12. Oktober 2019 | Kirchenkreis Egeln
© Roman Kraft

12. Oktober 2019

Mit dankbarem Blick

Jeden und jede von uns erwischt es einmal im Jahr. – Ich meine damit nicht etwa eine Erkältung oder die Frühlingsgefühle. Ich meine ganz einfach den Geburtstag.

Heute vor 90 Jahren zum Beispiel, ist meine Mutter auf diese Welt gekommen. Nun gut, es war damals irgendwie noch eine ganz andere Welt. Vieles hat sich verändert. Aber es war und es ist die Welt, in der sie sich entschieden hat, eine Familie zu gründen; fünf Söhnen das Leben zu schenken; uns dabei zu helfen, in diese Welt hinein zu wachsen… und noch so Vieles mehr.

Ohne dieses liebende Vorbild und das unseres Vaters, wäre sicher so manches anders gelaufen. Jetzt aber haben wir alle fünf unseren Weg gefunden. Wir haben unsere eigenen Familien gegründet. Wir sind an den Orten gelandet, an denen wir sagen können: „Hier bin ich zu Hause!“

Wenn ich so auf die Menschen schaue, mit denen ich mein Leben hier in Aschersleben teilen darf, Menschen in unserer Pfarrei und auch darüber hinaus, dann entdecke ich darunter immer wieder Parallelen zu meinen Eltern. Denn das ist doch allen Eltern ins Herz gelegt, dass sie ihre Kinder ins Leben hinein begleiten. – Man könnte fast sagen: Erst bringen sie die Kinder zur Welt und dann die Welt zu den Kindern.

Klar, da läuft nicht immer alles nach Plan. Das geht gar nicht und ich glaube, das wäre auch ziemlich langweilig, wenn unsere Kinder nicht immer wieder mal für die ein oder andere Überraschung sorgen würden. Oder wenn stets und ständig alles glatt laufen würde. Mein Vater sagte immer: „Egal was kommt, welche Höhen und Tiefen, irgendwie geht es immer weiter.“ Damals hab ich das noch nicht so recht glauben wollen. Heute habe ich es verstanden.

Mein Vater ist vor vier Jahren gestorben. Vor gut eineinhalb Jahren meine Mutter. Heute hat sie ihren 90. Geburtstag. Auch wenn wir heute nicht zusammensitzen können und die Torte gemeinsam anschneiden, sehe ich diesen Tag doch als ein Geschenk, an dem ich mit dankbarem Blick auf das Leben und auf die Welt, die meine Eltern zu mir gebracht haben, schauen kann.

Ich wünsche uns allen diesen dankbaren Blick, wenn wir auf die Menschen schauen, mit denen wir unser Leben teilen – die Menschen, von denen wir sagen können: „Wenn du da bist, dann bin ich zu Hause!“ Und ich wünsche uns, dass wir gerade diese Menschen immer wieder als ein Geschenk erkennen können, dass uns aus Liebe an die Seite gestellt ist, um gemeinsam durch die Höhen und Tiefen dieses Lebens zu gehen.

In diesem Sinne, werde ich mir heute ein schönes Stück Geburtstagskuchen und eine leckeres Tässchen Kaffee gönnen.

Ihr Martin Pickel, Gemeindereferent der kath. Pfarrei „St. Michael“ in Aschersleben, Alsleben und Güsten.