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26. Oktober 2019 | Kirchenkreis Egeln
© Joshua Davis

26. Oktober 2019

Hubertus und Co…

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am kommenden Sonntag wird in Altenweddingen eine Hubertusmesse gefeiert (weitere werden in den nächsten Tagen sicher im Verbreitungsgebiet der Zeitung folgen). In der evangelischen Kirche, wohlgemerkt. Vor Jahren und in anderen Gebieten unseres Landes undenkbar: ein Heiligengedenken in einer evangelischen Kirche. Hier bei uns sind wir ja etwas hin und her gerissen: Unsere Kirchen und Kirchengemeinden sind wie vor der Reformation nach Heiligen benannt und trotzdem haben wir als Kirche der Reformation ein gespaltenes Verhältnis zu den Heiligen. Die Anrufung der Heiligen, wie sie in den katholischen und orthodoxen Kirchen praktiziert werden lehnen wir ab. Anderseits ehren lutherische Gemeinden das Wirken außergewöhnlicher Menschen, denn einerseits – so Luther – stärke es den Glauben, dass Gott den Heiligen Gnade erwiesen habe , anderseits seien ihre guten Werke den heutigen Gläubigen ein Vorbild. Sie haben keine Mittlerfunktion zwischen Gott und den Menschen.

Nun weiß ich nicht wie das fromme katholische Menschen sehen, manchmal scheint es so, als ob die Heiligen nur zur Ausgestaltung der örtlichen Folkloreveranstaltungen dienen. Schützenvereine heißen „St. Sebastianus“, Umzüge sind Martinsumzüge, Jagden sind Hubertusjagden, am Barbaratag werden Zweige in eine Vase gestellt, am Nikolaustag gibt es schon mal Geschenke. Mancherorts weiß man gar nicht mehr warum und wieso und bei mancher „Kosmos-Apotheke“ habe ich den Verdacht, dass sie eigentlich „Kosmas-Apotheke“ heißen sollte – Kosmas der Schutzheilige der Ärzte und Apotheker – denn was sollte eine Apotheke mit dem Kosmos zu tun haben? Nur unter „Kosmos“ kann sich der Kunde (oder Apotheker) etwas vorstellen, unter Kosmas nicht.

Mit den Jahren wuchs die Zahl der Heiligen und die Tage des Jahres, die Heiligen zugeordnet sind, reichten nicht mehr aus. So wurde ab dem 9. Jahrhundert der 01. November als Allerheiligentag begangen, der Tag, an dem, wie der Name schon sagt, aller Heiligen gedacht wird. In einer Reihe von Bundesländern ist dieser Tag gesetzlicher Feiertag. Am Vortag begehen evangelische Christen den Reformationstag, da Martin Luther seine Thesen am Vortag der Ausstellung von Reliquien in Wittenberg veröffentlichte. Als „All Hallows Eve“ (Halloween – Aller-Heiligen-Abend) hat man aus dem anglo-amerikanischen Bereich auch in unseren Breiten manche (Un-) Sitte übernommen. 

Selten endete das Leben der Heiligen mit einem „normalen“ Tod. Die meisten starben als Märtyrer, als „Blutzeugen des Glaubens.“ Darstellungen dieser Opfertode kennen wir aus der Kunst, so die Darstellung des von Pfeilen durchbohrten Sebastian. Demgegenüber hat Hubertus „Karriere“ gemacht. Er wurde Bischof von Tongern-Maastricht, verlegte seinen Bischofssitz nach Lüttich und ist als Hubertus von Lüttich bekannt. Er soll sich von einem wilden Jäger zu einem fürsorglichen Geistlichen gewandelt haben. Fürsorgliche Menschen, ob Geistliche oder nicht, brauchen wir auch heute noch, ebenso solche, die bereit sind, sich zu verändern. So können wir gut und gerne auch Hubertusmessen in den evangelischen Kirchen feiern, zumal, wenn Jagdhornbläser mitwirken, die Kirche schön geschmückt ist und sich mehr Menschen als üblich aufmachen. Der eigentliche Hubertustag ist übrigens der 3. November – da waren die Bläser allerdings schon ausgebucht.

Verfasser: Raimund Müller-Busse