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05. Oktober 2019 | Kirchenkreis Egeln
© Dan Gold

05. Oktober 2019

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit - Psalm 145, 15

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

viel Tausendfach wird dieses Wort aus dem Psalm 145 morgen in den Erntedank-gottesdiensten in der gesamten Republik erklingen und ich bin mir ziemlich sicher, dass in mindestens 90 % der Predigten (vielleicht sogar in denen, die ich zu halten habe) von der Bewegung „Friday for Future“ und Ihrer Ikone Greta Thunberg die Rede sein wird. Die Erkenntnisse der Jetztzeit werden als die allerneuesten dargestellt werden und man wird vielleicht unruhig und wenig getröstet die Kirche verlassen. Ich weiß nicht, ob es zu den Vorzügen oder Nachteilen des Alters gehört, dass es eine ganze Reihe von Phänomenen gibt, an die man sich erinnert, die allerdings zum Thema wurden, als die mediale Präsenz auf Fernsehen (mit max. 3 Programmen), Radio (im Inland alles öffentlich-rechtlich oder staatlich kontrolliert), Printmedien wie Bücher und Zeitungen beschränkt war. 1972 wurde vom „Club of Rome“ (ein Zusammenschluss von 30 Wissenschaftlern aus verschiedenen Nationen) die Studie „Die Grenzen des Wachstums“ herausgegeben, ein Jahr später, 1973, erschien von Konrad Lorenz, dem Verhaltensforscher, der im selben Jahr den Nobelpreis erhielt, das Büchlein „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“. Die Inhalte waren und sind mindestens so bewegend und aufrüttelnd wie die Inhalte der Bewegung heute, die allerdings mit den weit weniger „langweiligen“ aktuellen Präsentationsformen in die Öffentlichkeit wirkt. Nun gut, vielleicht ist ja jedes Mittel recht, um auf die Gefahren für diese Welt aufmerksam zu machen. Was mich bewegt ist die Form des „Kampfes“, Schuldzuweisungen hier, Schuldzuweisungen dort, das gegenseitige Absprechen der Ernsthaftigkeit. Wird dieses beschlossen ist es grundsätzlich zu wenig für die einen, zu viel für die anderen. Ich bin mit meinen Urteilen etwas zurückhaltender geworden, seitdem ich mit einem konventionell wirtschaftenden Landwirt einen Tag lang unterwegs war. Auch dort habe ich gesehen (z.B. im Verbrauch von chem. Pflanzenschutzmittel), wie behutsam man mit dem anvertrauten Gut: Erde, umgeht. Mir ist an diesem Tag bewusst geworden, wie gering unser Vertrauen und Zutrauen ist, dass jeder an seinem Ort die Gefahren erkannt hat, und das seine tut. Sicher gibt es noch zu viel Plaste hier, zu viel Abgase dort – doch ich erlebe auch jenseits der Straßenproteste und öffentlichen Reden ganz viel Ernsthaftigkeit im Nachdenken und Tun: in Familien, in Vereinen und Verbänden, in Unternehmen und in Kirchengemeinden und anderen kirchlichen Zusammenschlüssen. Gerade in letzteren kommt die Motivation vielleicht eher aus der Erinnerung als durch die aktuellen Ereignisse.

Ganz am Anfang der Bibel ist die Rede davon, dass Gott den Menschen einen Garten hinterlässt, damit er ihn bebaue und bewahre (1. Mose 2,15). Der Garten – die Erde, die uns Gott anvertraut hat. Es kommt ja vor, dass man was vergisst und manchmal braucht es einen Anstoß von außen. Dank an alle die, die uns daran erinnert haben, was unsere Aufgabe als Christenmenschen ist. Danke, Gott, dass Du uns trotz unserer Vergesslichkeit Erntedank feiern und uns zuversichtlich nach vorne schauen lässt, denn „solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. 1. Mose 8,22

Verfasser: Raimund Müller-Busse