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07. September 2019 | Kirchenkreis Egeln
© Austin Ban

07. September 2019

Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht Polen. Der Zweite Weltkrieg brach aus und stürzte die Welt in den Abgrund. Dieses Datum und der darauffolgende Krieg, der Millionen von Menschen das Leben kostete, gehört zum schweren und traurigen Erbe unserer Geschichte und lässt sich nicht kleinreden. Als in diesen Tagen über diese Ereignisse in den Medien berichtet wurde und ich noch einmal das Grauen sah, spürte ich, wie sich die Perspektive auf mein Leben verschob. Die vielen kleinen Probleme des Alltags, die mir oft im Nacken sitzen und mir das Leben nicht leichter machen, traten in den Hintergrund. Es wurde mir wieder einmal bewusst, was es für ein Glück ist, im Frieden leben zu dürfen. Ich empfand das Gefühl der Dankbarkeit, dass ich von der Erfahrung des Kriegs bislang verschont geblieben bin und dass meine Kinder in einem Land aufwachsen können, in dem Frieden herrscht.
Die Berichte und die Bilder vom Kriegsausbruch brachten Unruhe in meine Sehgewohnheiten, etwa mich daran gewöhnt zu haben, im Frieden zu leben, und den Frieden für etwas ganz Selbstverständliches zu halten. Die Geschichte spricht hier eine andere Sprache. Sie führt in verstörender Weise vor Augen, wie schnell sich der Wind drehen kann, und wie aus friedlichen Zeiten kriegerische werden. Die Geschichte ist für mich daher wie ein Appell, den Frieden nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Sie zeigt, dass der Frieden oft teuer erkauft ist, dass er immer auch eine Anstrengung und eine Aufgabe ist, auf der weltpolitischen Bühne, aber auch im alltäglichen Handeln. Der Frieden fängt bei uns an. Es fängt damit an, wie wir einander begegnen, wie wir miteinander reden, was wir über andere denken, welche Vorurteile wir mit uns herumschleppen. Das Gedenken des 1. September 1939 ist ein trauriger Anlass, sich darauf zu besinnen, wie wir es selbst mit dem Frieden halten. Sich der Aufgabe des Friedens zu widmen und die Anstrengung des Friedens nicht zu scheuen, lohnt sich. Denn – wie Luther es einmal so schön gesagt hat – es ist ein halbes Himmelreich, wo Friede ist.

Verfasser: Georg Neugebauer