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Adventskonzert in Aschersleben | Kirchenkreis Egeln

Adventskonzert in Aschersleben

Adventskonzert in Aschersleben


# Musik
Veröffentlicht von Felix-Tillmann Groth am Sonntag, 8. Dezember 2019, 00:56 Uhr

Aschersleben. Schon immer war Sachsen Anhalt, die Wiege bedeutender Musiker. Diese Tatsache wird jedes Jahr mit herausragenden Konzerten permanent unter Beweis gestellt. So auch am vergangenen Sonntag, am ersten Advent, als unter der Leitung von Kantor Thomas Wiesenberg  in der Heilig-Kreuz-Kirche  von Aschersleben ein Weihnachtskonzert der ganz besonderen Art aufgeführt wurde. Hochkarätige Musiker aus allen vier Himmelsrichtungen gaben sich ein Stelldichein um einerseits Georg Friedrich Händel, der 1685 in Halle geboren wurde ihre Reverenz zu erweisen, aber auch um einen bedeutenden Ausschnitt aus dem Lebenswerk von Thomas Wiesenberg, der genau zweihundert Jahre nach Händel geboren wurde und dieses Jahr seinen sechzigsten Geburtstag feiern konnte, aufzuführen . Seit jeher ist es dem  evangelischen Kirchenkreis Egeln ein großes Anliegen, den Frieden in der Welt zu suchen und ihm Schritt für Schritt näherzukommen. Dabei spielt die Macht der Musik natürlich eine entscheidende Rolle. Mit einer fantasievollen Vertonung der Jahreslosung 2019: „Suche den Frieden und jage ihm nach“ eröffnete Thomas Wiesenberg sein diesjähriges Weihnachtskonzert, bei dem er anlässlich seines sechzigsten Geburtstages klangvoll demonstrierte, dass auch heutige Komponisten durchaus in der Lage sind, klangvoll und eindrucksvolle Musik zu schreiben, die Aufführende und Zuhörer gleichermaßen begeistern, ja durchaus faszinieren kann. Ein mittelalterlich angehauchtes Ritornell intonierte die Jahreslosung aufs nachdrücklichste und schuf einen zeitgemäßen Einstig in einen Abend voller Überraschungen. Anschließend stand die Uraufführung der Kantate „Macht hoch die Tür“ von Thomas Wiesenberg auf dem Programm. Dieser Choral ist seit jeher eines der bekanntesten und beliebtesten Kirchenlieder und Thomas Wiesenberg gelang es vorzüglich alle Facetten des fünfstrophigen Textes sowohl klangmalerisch im Orchester als auch beim Chor und bei den Solostellen zwischen Sopran und Bass nachzuzeichnen. Mit klarer Intonation und facettenreicher Gestaltung gestalteten hierbei Sara Mengs (Sopran) und Tobias Mengs (Bass) zwei Strophen im Duett, und die direkte Bezugnahme zu Sachsen Anhalt („o wohl dem Land“) und Aschersleben („o wohl der Stadt“) erwärmte wohl die Herzen der meisten Zuhörer mit adventlicher Zuversicht. Höhepunkt dann natürlich die fünfte Strophe, bei der allerdings das flehentliche Bitten um die Wiederkunft an einer Stelle  wohl etwas zu zaghaft ausfiel, aber mit souveräner Gestaltungskraft initiierte Thomas Wiesenberg einen triumphalen Abschluss, der allerdings, sehr symbolträchtig“  keinen endgültigen Schlusspunkt setzen wollte.

Mit „Maria durch ein Dornwald  ging“, einer weiteren Uraufführung von Thomas Wiesenberg setzte der Komponist die klaren,   frisch und unverbrauchten Stimmen der dreizehn Mädchen des Schülerchores der Adam-Olearius –Schule eindrucksvoll in Szene. Zu einem abwechslungsreichen Orchesterstück voller rhythmischer und melodischer Raffinesse und allegorischer  Fantastik intonierten die Schülerinnen die drei Strophen des wohl schönsten Adventsliedes aus neuerer Zeit  (um 1850). 

Anschließend durfte der Chor ein wenig verschnaufen und das Poulenc-Trio entführte mit Englischhorn (Beatrix Lampadius), Fagott (Erik Stolte) und Klavier bzw. Cembalo (Olga Bechthold) in die fantastisch romantische  Welt von Max Bruch, wo vor allem der innige Dialog von Englischhorn und Fagott die Herzen der Zuhörer spontan für sich vereinnahmte. 

Den zweiten Teil dieses vielbeachteten Konzertes bildeten  dann Auszüge aus Georg Friedrich Händels „Messias“ . Hier zog Thomas Wiesenberg noch einmal alle Register seines Könnens und agierte souverän als Nachschaffender in der Tradition seines weltberühmten Vorgängers. Progressiv und zukunftsweisend voranschreitend die Sinfonia, herrliche Chorsätze voller dynamischer Gestaltungskraft wechselten mit informativen Rezitative  und herrlichen Arien, wobei Wiesenbergs gestalterische Freiheit immer wieder beeindruckende Akzente zu setzen wusste. Dabei setzten  die frischen unverbrauchten Stimmen der jungen Mädchen der Adam-Olearius-Schule wohltuende Akzente auch wenn die jungen Damen in Bezug auf Disziplin und Textsicherheit gelegentlich etwas überfordert wirkten.

Krönender Abschluss dieses wundervollen Konzertabends bildete dann das weltberühmte „Halleluja“ aus dem „Messias“ bei dem  die Saxonia Music  Company, die die klanglichen Vorstellungen Wiesenbergs jederzeit orchestral überzeugend realisierte und der gesamte Chor noch einmal zu Höchstleistungen angespornt wurde. 

Klar, dass dieses beeindruckende Konzert nicht ohne Zugabe zu Ende gehen durfte und auch hier setzte Thomas Wiesenberg einen ganz besonderen Akzent. Mit der intensiven Bitte: „Dona nobis pacem“ beschwor er mit seinem gesamten Klangkörper den lieben Gott persönlich,  uns doch nun endlich den finalen Frieden für die ganze Welt zu bescheren und schloss damit den Kreis dieses symbolträchtiben Weihnachtskonzertes. Sollte dieses prächtige Klangarrangement von Thomas Wiesenberg wieder einmal in derartiger Besetzung realisiert werden, so wäre es unbedingt wünschenswert, das gesamte Publikum miteinzubeziehen, um so dieser existentiellen Bitte noch mehr Nachdruck zu verleihen. Nun kann es Weihnachten werden, die Weichen sind gestellt.

JOHANNES SCHANZ