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Die Stimmung und Tiefe der Weihnacht | Kirchenkreis Egeln
Veröffentlicht von Holger Holtz am Do., 13. Dez. 2018 08:22 Uhr

In den letzten Tagen habe ich mir im Fernsehen eine der zur Zeit üblichen Bittsendungen angesehen. Da gibt es eine eine Mischung von Gesang, Gespräch und Bitten an unser Portmonnaie. So weit so gut. Dass wir in diesen Tagen auch an die denken sollen, die unsere Hilfe brauchen, kann ich ja nur aus vollem Herzen unterstützen. 

Eins aber ist mir aufgefallen: Es war nicht ein Lied oder ein Text dabei, die ich unter ursprünglich weihnachtlich einstufen würde. Woran mag das liegen? Kann man Weihnachten feiern, ohne an das zu denken, was damals in Bethlehem geschah? Dabei ist doch gerade die biblische Weihnachtsgeschichte eine Geschichte, die auch die finsteren und bitteren Seiten des Lebens aufzeigt und von daher für Spendenbitten besonders geeignet ist.

Ich will  an einem Beispiel einem kleinen Ausschnitt der Weihnachtsgeschichte erklären, was ich meine:

Die Welt kann ganz verschieden aussehen. Je nach dem, ob ich die Verhältnisse von oben, oder von unten betrachte. "Es begab sich aber zu der Zeit, als ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt eine Steuer zu zahlen hätte. Diese Steuer war die allererste und geschah zu der Zeit, zu der Quirinius Landpfleger in Syrien war". Zu der Zeit, in der Jesus geboren wurde. Nichts gegen Kaiser Augustus. Er soll einer der tüchtigsten und gerechtesten Herrscher der Alten Welt gewesen sein. Die Dichter seiner Zeit loben ihn in Hymnen als Friedensbringer und Repräsentant des göttlichen Willens auf Erden. So mag man singen am Hof des Kaisers. 

Für die Menschen, die unter seiner Herrschaft sind, sieht manches sehr anders aus. Wenn der Schreiber der Weihnachtsgeschichte -Lukas- erwähnt, es habe eine "Schätzung" stattgefunden, und jeder habe in seine Vaterstadt zu gehen, um seine Steuer festlegen zu lassen, so stand dahinter eine Gewaltmaßnahme, die wir uns schwer vorstellen können. Sie geschah in zwei voneinander unabhängigen Schritten: 

Eimal in der "Aufschreibung", das heißt in der Erfassung aller Personen und ob sie über Grund und Boden oder über Haus und Gut verfügten. Im zweiten Schritt kam es dann zur "Schätzung", das heißt zur Festlegung der Höhe der Steuer, die zu entrichten war. Eine Inschrift in Ankara berichtet, Augustus habe während seiner Regierungszeit dreimal so einen "Zensus" angeordnet.

 Man ging nicht zimperlich mit den Menschen um. Egal ob Frau oder Mann, ob Kind oder Greis, man musste in die Stadt ziehen in der man Grundbesitz hat. Kranke wurden herbeigeschleppt. Lebensalter wurde geschätzt. Ländliche Bevölkerung zusammengetrieben. In Verhören wurde geschlagen und gefoltert, um eine möglichst hohe Steuer festlegen zu können. Manch ein Besitz wurde notiert, der gar nicht existierte. Der römische Schriftsteller Lactantius schreibt: "Alles war erfüllt von Kummer und Jammergeschrei". Das auch Ehefrauen erscheinen mussten entspricht genau der Rechtslage, die Lukas schildert. 

Hinzu kam eine schwere Krise im Land der Juden. Herodes hatte sich beim Kaiser unbeliebt gemacht. Nun sollten alle Bewohner in Judäa, Samaria und Galiläer einen Treueid auf den Kaiser ablegen Das widersprach natürlich dem Glauben der Juden: Wir haben nur einen Gott und nicht noch andere neben ihm. Es kam zu Aufständen, zu Brand, Raub, Folter und Kreuzigungen. 

In eben dieser Zeit einer landesweiten politischen Erregung wanderten Josef und Maria nach Bethlehem. Alles von Idylle weit entfernt. Friedlich waren die Zeiten nicht, in denen Jesus ein Kind war. Wenn Jesus in seiner Botschaft als Erwachsener von den Wegen zum Frieden spricht, dann nicht als einer, der nicht wusste, was er sagt. Er kannte von Kindheit an die Armen, die Leidtragenden, die Verfolgten. Er ist mit ihnen aufgewachsen. Die Nacht des Unrechts, der Gewalt, der Quälerei und der Ausbeutung lag schwer über der Familie, aus der Jesus kam.

Sie werden jetzt verstehen, was ich meine. Nur jemand, der den wahren Inhalt der Weihnachtsgeschichte nicht kennt, kann aus dem ganzen Geschehen so ein Eia-Popeia machen. 

Ein bisschen Stimmung und Heimlichkeit muss in der Adventszeit sein. Aber nur dann driftet diese Stimmung nicht ins Banale ab, wenn man auch die ernsteren Töne der Adventszeit im Hintergrund bedenkt und kennt.

Dann höre ich auch gerne die Apelle an mein Geld. Zumal ich ja weiß, dass die Gegend, in der das geschah, was ich Ihnen geschildert habe, genau die Gegend ist, wo heute die schlimmsten Verbrechen geschehen. Manch Josef und manche Maria sind wieder auf dem Weg.

Dorothee Mücksch, Aschersleben

Kategorien Andacht