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Die Zeit der Früchte | Kirchenkreis Egeln
Veröffentlicht von Holger Holtz am Sa., 29. Sep. 2018 09:19 Uhr

Auch der längste Sommer ist einmal vorbei. In diesen Tagen erleben wir, wie der Herbst einzieht: die Tage werden dunkler, die Sonnenbräune des Sommers verschwindet langsam.

 In der Schöpfung unserer Welt erleben wir eine wunderbare Verwandlung von grün zu gelb und braun.

 Dieser Übergang ist auch die Zeit der Früchte. Viele Sorgen haben uns rund um die Früchte der Felder und Wiesen in diesem Jahr begleitet. Am Ende sehen wir: ist es genug.

 Trotz moderner Agrartechnik haben wir das Werden der Früchte nicht in der Hand. Ernteeinbußen aufgrund des trockenen Sommers, Äpfel im Garten, die nicht so besonders geworden sind. Ein umgeknickter Quittenbaum. Gehe ich durch unseren Garten, lerne ich: wir haben nicht alles in unserer Hand. Früchte zum Beispiel kann ich nicht machen. Ich muss sie wachsen lassen und hoffen, dass es am Ende doch genug ist.

 Früchte kann ich nicht machen ich kann sie nur empfangen.

 Früchte stehen am Anfang der Bibel und an ihrem Ende. Zwischen Anfang und Ende taucht das Bild der Frucht hunderte Male auf. Die Menschen waren damals der Feldarbeit näher und konnten verstehen, was mit dem Bild gesagt wird. Es geht oft darum, dass wir Menschen gute Früchte in Gottes Welt sind. Wenn ich mein Leben als Frucht begreife, dann muss ich aus der Natur lernen: ich muss wachsen. Ich brauche Zeit. Und ich muss an einem Stamm bleiben, der mir genug Nahrung auch in Dürrezeiten gibt.

 Mir fallen zwei gegensätzliche Aussagen auf, die ich in unserer Zeit höre: Mir wird eingeredet, dass ich so werden kann, wie ich will und dass ich mir nehmen kann, was ich will. Die Bibel als Buch des Lebens sagt mir: Beides löst nur kein Problem sondern verstärkt eher noch eines, an dem unsere westliche Kultur leidet: die Unzufriedenheit – wenn ich das, was ich werden kann doch nicht werde und wenn ich das was ich will nicht bekomme.

 Will ich in meinem Leben zur guten Frucht werden, muss ich mich auf meine Wurzeln konzentrieren. Paulus beschreibt an die Galater die Früchte Gottes so: „Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.“

 Das klingt gut, macht dankbar und froh. Gegossen und gepflegt mit Gebet, Bibellese, Gottesdienst und Gemeinschaft wird die Frucht meines Lebens so wachsen wie sie es will und ich werde merken – so wie wir am Ende dieser Saison: es ist genug.

 

Holger Holtz Pfarrer in Aschersleben

Kategorien Andacht