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Geh aus, mein Herz, und suche Freud | Kirchenkreis Egeln

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Geh aus, mein Herz, und suche Freud

Es ist Juli. Der Sommer hat begonnen. Sonne satt und Ferien. Für viele endlich mal wieder Urlaub- irgendwo auf unserer schönen Erde. Ob hier, an der Ostsee, im Wald oder auf Mallorca- egal. Wenn man nur mal rauskommt. Was Neues sehen. Mal weg sein und für ein paar schöne Tage an nichts Belastendes denken. Die Sehnsucht bei vielen Menschen danach ist riesengroß. Kein Wunder nach den letzten beiden Sommern.
Mir geht es auch so. Einfach mal den Kopf frei machen. Ausspannen. Wenn da nicht die verstörenden Bilder und Nachrichten wären… Man kann sich ihnen kaum entziehen. Manche Menschen machen den Fernseher gar nicht mehr an. Aber auch in der Zeitung und im Radio sind sie präsent: die wirklich (be)drängenden Fragen unserer Tage. Und dabei ist immer die bedrückende Frage im Gepäck: schaffen wir Menschen es die Herausforderungen zu bewältigen?

Mir geht in diesen Tagen immer wieder ein Lied durch den Kopf:

Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe,
wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

So dichtete Paul Gerhard im Jahre 1653. Er beschreibt sehr poetisch die wunderbare Welt, in der wir leben: die sommerlichen Getreidefelder, Bäume, Bienen, ein Glucke und ihre Küken, die brütenden Schwalben. Sommer eben.

Dieses Lied ist viel mehr als eine idyllische Naturbeschreibung. Als es geschrieben wurde war der Dreißigjährige Krieg nur fünf Jahre vorbei. Hunger bestimmte den Alltag der Menschen. Die Hälfte der Bevölkerung in Mitteldeutschland war im Krieg umgekommen. Und da war die Pest. Sie zog im mehreren Wellen übers Land. Und andere Seuchen kamen dazu. Und was ich mir am schlimmsten vorstelle: die Menschen haben nur um das eigene Überleben gekämpft. Eine ganze Generation nur Krieg- das verändert die Menschen und die Gesellschaft. In dieser Zeit dichtet ein Pfarrer: Geh aus mein Herz und suche Freud… Dieser Mann hatte beiden Frauen und drei seiner vier Kinder begraben.Und Paul Gerhards Resume heißt: wir leben auf einer wunderbaren Erde und sie ist Gottes Geschenk an uns.

Dann denkt er noch viel tiefer: wir sind im Sommer unseres Lebens. Und es ist Erntezeit- „Lebenserntezeit“. Es gilt die Lebensfrüchte einzutragen und sich daran zu erfreuen und Gott dankkbar dafür zu sein, der uns durch seine Gnade dieses möglich macht. Aber auch dabei bleibt Paul Gerhard nicht stehen. Er schlussfolgert: wenn diese Erde schon so schön ist, wie herrlich muß dann das Paradies erst sein! Und er bittet Gott um die Gnade, ein „guter Baum“ in Gottes schönem Garten werden zu können. Eine Bildsprache, die wir alle verstehen – auch fast vierhundert Jahre später. Geh aus mein Herz und suche Freud… vielleicht ein guter Vorsatz für Ferientage in schwieriger Zeit.

Für Lebenslust im Angesicht von gravierenden Fragen. Sie finden den gesamten Text des Liedes im evangelischen Gesangbuch (503) und oder im Internet.

Ich wünsche Ihnen einen guten und zuversichtlichen Sommer!

Beate-Maria Mücksch Pfarrerin