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Weihnachten an der Tankstelle | Kirchenkreis Egeln
Veröffentlicht von Holger Holtz am Mo., 24. Dez. 2018 11:51 Uhr

War mir das peinlich! Vor zehn Tagen brauchte ich mal kurz das Auto meines Sohnes. Ich startete, es piepte, im Cockpit erstrahlte eine rote Leuchte und die Tanknadel erhob sich träge ein ganzkleinbisschen. Also praktisch gar nicht. Die Botschaft erschloss sich mir sofort: Volltanken bitte! Super! Gern doch, sagte ich mir, nachdem sich die Verärgerung gelegt hatte. Denn es ist ein schönes Gefühl, der gönnerhafte Vater zu sein und hier und da mit Geschenken an die eigenen Kinder Dankbarkeit zu erhaschen. Gerade jetzt, wo doch bald Weihnachten ist. Wie gern würde ich im Auto sitzen, wenn mein Sohn startet und sieht, dass die Tanknadel unerwartet nach oben schnellt. Ein Lächeln wird dieser Moment auf sein Gesicht zaubern. Mit solchen Gedanken fuhr ich an die Tanksäule und begann zu zapfen.

Da erstarrte ich. Der Griff in die Tasche hatte mir verraten: Falsche Jacke, Portemonnaie vergessen. Das ist mir ja noch nie passiert! Ich stoppte den Zapfhahn.  Aber gut drei Liter waren im Tank und natürlich zu bezahlen. Statt väterlich jovial, ging ich kleinlaut an den Tresen. Dort schien man solche Situationen zu kennen. Aber leider konnte ich weder Personalausweis noch Führerschein hinterlegen. Beides war ja im Portemonnaie. Da melde sich aus der Schlange hinter mir ein Mann und sagte: Hier, ich schenke Dir fünf Euro. Wie jetzt, fragte ich, einfach so? Naja, ist ja bald Weihnachten, schenk ich dir, sagt er. Dankbar nahm ich an.

Aber war mir das peinlich! Ich merkte, wie schwer es mir fällt, einfach so, und dann auch noch unerwartet, etwas anzunehmen.  Und dabei werde ich doch genau davon zu predigen haben an Heiligabend und Weihnachten. Gott schenkt sich dieser Welt. Nicht, weil sie es verdient hat, sondern gerade, weil sie ihn vergessen hat. Und wir werden singen in den Christvespern: Welt ging verloren, Christus ist geboren. Oder aus einem anderen Lied: Die ihr arm seid und elende, kommt herbei, füllet frei, eures Glaubens Hände. Hier sind alle guten Gaben und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben. Eine großartige Nachricht, fantastische Lieder. Aber kann ich das, Gottes Angebot einfach so annehmen?

Ich stelle mir vor, wie ich an meiner Lebenstankstelle stehe, um Mut und Hoffnung zu tanken. Kein Problem, habe ich ja immer so gemacht. Aber jetzt merke ich: Mir fehlt ja die Kraft, mit der ich das bezahle. Und dann steht hinter mir der, der sagt: Hier! Ja, das beschämt mich. Aber es ist zugleich das Beste, was mir passieren kann. Gott kommt mir nahe.

Ich danke dem Mann, der mir vor zehn Tagen an der Tankstelle aus meiner schwierigen Situation geholfen hat! Ich danke ihm, weil er mir mehr als Geld gegeben hat.  Und ich wünsche uns beiden, dass wir über das Kind in der Krippe, Gottes Geschenk für unser Leben, staunen und uns freuen können.

Ihnen allen in diesem Sinne ein gesegnetes Weihnachtsfest!

 

Matthias Porzelle Superintendent im Kirchenkreis  Egeln

Kategorien Andacht