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Gedenken an 80 Jahre Reichspogromnacht | Kirchenkreis Egeln

Gedenken an 80 Jahre Reichspogromnacht

Gedenken an 80 Jahre Reichspogromnacht


# Kirchengemeinde
Veröffentlicht von Holger Holtz am Freitag, 9. November 2018, 20:07 Uhr
© Holger Holtz

"Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben" - zitierte Superintendent Matthias Porzelle die Stuttgarter Schulderklärung, die im Oktober 1945 durch den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland verabschiedet wurde.

Symbolisch wurden in der Andacht in der Stephanikirche Aschersleben die Kerzen des siebenarmigen Leuchters entzündet. Im Gedenken an die sechs Millionen Toten und der verlorenen jüdischen Gemeinde in Aschersleben. Im Gedenken an die verfolgten und ermordeten Familien aus Aschersleben, wurden alle Namen der Aschersleber Juden verlesen. 

Claudia Andrae, Mitglied im Arbeitskreis „Geschichte jüdischer Mitbürger in Aschersleben“, beschreibt die Ereignisse aus dem Jahr 1938 in einem Artikel so: "Nach dem Attentat auf den Gesandtschaftsrat vom Rath in Paris kommen am Abend des 9. November 1938 von der Gedenkfeier der NSDAP anlässlich des gescheiterten Hitler-Putsches aus dem Alten Rathaussaal in München die Anweisungen zum Pogrom. Auch in Aschersleben findet im Saal des Bestehornhauses eine Gedenkfeier der örtlichen NSDAP mit ihren Gliederungen und Verbänden statt. Zu den Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung kommt es in Aschersleben vor allem in der Nacht vom 9. auf den 10. November und am Abend des 10. November nach einer Verdunklungsübung. Nach Bericht des Polizeipräsidenten in Magdeburg vom 10. November 1938 ist in der Nacht vom 9. auf den 10. November der Innenraum der Aschersleber Synagoge zerstört worden. Auch ein vermutlich im „Tageblatt“ vom 11. November erschienener Artikel berichtet von der Zerstörung der Synagoge in dieser Nacht."

Heute zeugen nur noch ein Gedenkstein und Mauerreste von dem Gotteshaus einer Gemeinde, die seitdem nicht mehr in Aschersleben ist.

Matthias Porzelle betonte, dass wir sicher nicht für die Taten der Menschen von damals verantwortlich gemacht werden können aber es heute unsere Verantwortung ist, dort aufzustehen, wo Antisemitismus sichtbar wird. Es gilt heute Mutig zu bekennen, treuer zu beten, fröhlicher zu glauben und brennender zu lieben.

Die Gemeinde zog nach der Andacht schweigend zur Gedenktafel an der Stelle der ehemaligen Synagoge, legte Steine im Gedenken der ermordeten Juden aus Aschersleben ab und entzündete Kerzen deren Schein für Hoffnung auf Frieden die kleine Gedenkstelle mit warmem Licht erleuchteten.

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,
Vater, vergib.
Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist,
Vater, vergib.
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde
verwüstet,
Vater, vergib.
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen,
Vater, vergib.
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen
und Flüchtlinge,
Vater, vergib.
Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und
Seele missbraucht,
Vater, vergib.
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf
Gott,
Vater, vergib.
Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen,
wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4, 32)

Friedensgebet von Coventry

Text / Fotos: Holger Holtz