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Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist | Kirchenkreis Egeln
Veröffentlicht von Holger Holtz am Mo., 15. Okt. 2018 08:15 Uhr

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ So lesen wir bei Micha im Wochenspruch.

In anderen Übersetzungen steht an dieser Stelle „Ehrfurcht“. Ich fürchte mich. Aber nicht, weil der andere größer oder stärker ist, nicht weil er mir etwas Böses will, sondern weil ich ihm mit dieser Furcht Ehre erbieten will. Furcht, die loben soll. Und doch, Furcht ist nichts, was man sich gerne freiwillig aufbürgt, oder?

Im Gegensatz dazu die Demut. Demut ist Realismus. Ein Annehmen der Gegebenheiten. Demut heißt, ich weiß, dass ich nur ein Mensch bin. Ich kann nicht die ganze Welt verändern. Zum Glück, möchte man sagen. Man stelle sich nur vor, das Schicksal der Welt läge in der Hand eines Politikers, eines Wirtschaftsbosses. Das heißt nicht, dass wir nicht in dieser Welt wirken können. Im Gegenteil. Wir können, sollen handeln. Nur eben das Ergebnis liegt oft einfach nicht in unserer Hand. Es gibt Dinge, die stehen nicht in unserer Macht, sondern in der Macht eines Gottes, der unsere Vorstellungskraft übersteigt. Eines Gottes, der Leben schafft und vergehen lässt.

Demut ist Realismus. Annehmen der Gegebenheiten. Demut heißt auch, ich weiß, dass ich ein Mensch bin. Als Teil seiner Schöpfung von Gott geliebt und gewollt, und durch das größte Opfer frei geworden. Frei, selber zu entscheiden. Frei in meiner Entscheidung, Demut zuzulassen.

Demut kann man nicht erzwingen, indem man jemanden demütigt. Gott demütigt nicht. Gedemütigt werden ist mit viel Leid verbunden. Wer hat das nicht schon einmal erfahren? Die Hilflosigkeit, die Scham. Auf der Arbeit, als Kind in der Schule, in der Familie. Die Hilflosigkeit der Demütigung – und doch macht der Demütige bei Gott stattdessen die Erfahrung, schwach und stark zugleich zu sein. Nicht hilflos, sondern gestärkt durch einen Helfer. Die Scham der Demütigung – stattdessen bei Gott die Erkenntnis, vor Gott muss und kann ich mich nicht schämen. Er kennt mein Innerstes. Ich muss mich in meiner Demut nicht selbst kleinmachen um jeden Preis. Ja, ich weiß, ich bin um so vieles kleiner als Gott. Mein Leben kommt von ihm. Aber ich bin auch geschaffen nach seinem Ebenbild. Mit all meinen Stärken und Schwächen bin ich angenommen und geliebt. Etwas so unvorstellbar Großes will meine Existenz, will, dass ich lebe, und wollte mich so werden lassen, wir ich heute bin. Und diese Erkenntnis ist es, die mich demütig werden lässt. Demütig im Angesicht der Schöpfung. Demütig im Angesicht eines anderen Menschen. Und mit der Demut kommt die Liebe. Ganz freiwillig.

Ihre Ulrike Peter

Kategorien Andacht